E statt Tabak: Ein Selbstversuch mit Elektro-Zigarette von Eike Knost - vom 14.10.2011

E statt Tabak: Ein Selbstversuch mit Elektro-Zigarette
Von Eike Knost

Hameln. Welcher Raucher kennt das nicht: Raucherhusten, ein betäubter Geschmackssinn und überfüllte Aschenbecher. Brav geht man seinen Weg in die Kälte, um die Einrichtung zu schonen, und trotzdem stinkt die von Brandlöchern übersäte Kleidung nach Qualm. Und als ob das eigene Leid nicht schon groß genug wäre, kommen auch noch die anderen ins Spiel. Das „Muss das sein, dir hier jetzt eine anzustecken?“ kann man schon nicht mehr hören.

Entwickelt wurde sie 2003 in China, doch obwohl es sie schon seit Jahren gibt, feiert sie erst 2011 ihren großen Durchbruch: Die E-Zigarette verspricht Rauchen ohne all die störenden Nachteile. Wie jeder Raucher, war ich skeptisch. Kein Wunder, angesichts der üblichen Preissteigerungen und des Umrüstens der Hersteller auf brandsichere Zigaretten, deren Glut sich beim Abaschen häufig gleich mitverabschiedet. Meine Erfahrung hat mir zumindest gezeigt, dass Neuheiten im Bereich Tabakwaren nichts Gutes zu bedeuten haben. Aber: Versuch macht klug.

Was können sie, wie schmecken sie, und sind elektronische Zigaretten eine echte Alternative zu den Echten? Der Selbstversuch soll Antworten liefern. Anlauf- und Infostelle: der eSmokerShop an der Deisterstraße. Der Akku einer E-Zigarette (wird zwar „i“ gesprochen, was aber nichts heißen muss) braucht etwa zwei Stunden zum Laden und soll in Zigaretten umgerechnet etwas mehr als zwei Schachteln lang halten. Im Mundstück befindet sich das Depot des Liquids, einer Flüssigkeit, vergleichbar mit liquidem Tabak, die durch den Verdampfer in Qualm umgewandelt wird. Ein Glas des Liquids kostet im eSmoker-Shop fünf Euro. Mit der Menge eines Glases lässt sich das Depot mehrmals auffüllen. Eine Depotladung besitzt umgerechnet etwa die Kapazität einer halben Schachtel. Hört sich zunächst sehr kompliziert an – doch die Praxis ist simpel und läuft wie folgt ab: Wenn der Akku geladen und das Liquid-Depot gefüllt ist, drückt man ein bis zwei Sekunden lang vor seinem Zug auf einen Knopf an der Zigarette, um den Verdampfer zu aktivieren. Und schon kann losgeraucht werden. Ferner bietet der Shop fünf verschiedene Nikotinstärken, darunter auch die Möglichkeit „None“ – also ohne Nikotin. Zudem kann man zwischen 81 unterschiedlichen Geschmacksrichtungen wählen. Diese unterteilen sich in die Kategorien Früchte, Tabak, Pflanzen, Mixe und Sonstiges.

Mein persönliches Fazit fällt guten Gewissens positiv aus: Die Vorteile sind zahlreich und überzeugend. Ob man nun mit dem Rauchen aufhören oder einfach nur Geld sparen möchte, mit dem teerlosen Produkt ist man als Raucher gut bedient. Zwar sind die E-Stängel weniger schadstofflastig als herkömmliche Zigaretten, jedoch kann keine vollkommene Entwarnung gegeben werden, denn das Nikotin bleibt ein Nervengift und damit schädlich! Allerdings besteht immerhin für die Mitmenschen keine Gefahr mehr durchs Passivrauchen. Der Anschaffungspreis einer E-Zigarette von 56,50 Euro hat sich verglichen mit Tabakzigaretten schnell amortisiert. Außerdem hat es den netten Nebeneffekt, nicht mehr nach Qualm zu stinken.

Im Gegensatz zu vorher hatte ich nach meinem Selbstversuch keine Lust mehr auf eine andere Zigarette. Der Kirschgeschmack, den ich ausgewählt hatte, war überraschend intensiv und hat Lust auf mehr gemacht. Mit 16 mg habe ich die zweithöchste Nikotin-Stärke gewählt. Das entspricht in etwa der Stärke einer normalen Zigarette mit 10 mg Nikotin. Meiner Einschätzung nach stehen die E-Zigaretten ihren tabakhaltigen Kollegen in nichts nach. Das Problem: Es lässt sich schwer einschätzen, wann man mit dem Rauchen der Zigarette fertig ist. Das übliche Ausdrücken im Aschenbecher hat die längste Zeit das Rauchen beendet. Bei der E-Zigarette ist dagegen Selbstbeherrschung und Kenntnis gefragt, um seine Rauchgewohnheiten mit der E-Zigarette nicht noch zu verschlimmern.

QUELLE: DEWEZET.de - Artikel vom 14.10.2011 - 06.00 Uhr