23.03.2013 - Dank der EZigarette wurden 2012 sechs Prozent weniger Tabakzigaretten verkauft!

Dank der EZigarette wurden 2012 sechs Prozent weniger Tabakzigaretten verkauft !

23 Mrz 2013   | Autor: Jens Mellin

Zumindest sollte man diese Überschrift zur Zeit in den Medien lesen können – Jedoch werden die sechs Prozent weniger verkaufte Tabakzigaretten von offizieller Seite anders begründet:

So sah z.B. Spiegel Online den Rückgang bei den Zigarettenverkäufen in Verbindung mit der erhöhten Tabaksteuer und frohlockt, dass “die jahrelange Anti-Tabak-Politik in Deutschland offenbar Wirkung zeigt”. [1]

Das ist ein schier unglaublicher Fortschritt für die öffentliche Gesundheit und sehr bemerkenswert! Den Rückgang als Erfolg für die Tabakpolitik der Bundesregierung und damit alleine auf die Tabaksteuererhöhung zu schieben, ist mir allerdings “zu glatt” argumentiert.

Fakt ist nämlich, dass die Bundesregierung in den letzten Jahren die Raucher immer wieder mit Steuererhöhungen beglückt hat und diese Erhöhungen seltsamerweise primär NICHTS mit der Gesundheitspolitik zu tun hatten. Sondern vielmehr dazu gedacht waren z.B. die Bundeswehr im Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen. [2] Weiterhin geht ein Anteil der Tabaksteuer in Leistungen wie Mutterschaftsgeld, Kindergeld bei Erkrankung eines Kindes oder in Leistungen rund um die Schwangerschaft.

Anti-Tabak-Politik? Das ist wohl eher Subventionspolitik! ;)

Aber zurück zur Aussage “die jahrelange Anti-Tabak-Politik zeigt Wirkung” und was mich daran stört. Man hat hier alleine die Steuererhöhungen für den gewaltigen Rückgang verantwortlich gemacht. Wenn Steuerhöhungen solche Auswirkungen haben, dann hätte schon vor Jahren ein entsprechender Rückgang zu sehen sein müssen.

Wenn man der Logik des SpOn-Artikels folgt, hätten in den letzten Jahren jedes Jahr weniger Zigaretten und damit weniger Steuern eingenommen werden müssen – nur war dem nicht so!

Betrachten wir doch mal die harten Zahlen/Fakten des Statistischen Bundesamts [3]:

Jahr – Tabaksteuereinnahmen
2009 – 13,4 Milliarden Euro
2010 – 13,5 Milliarden Euro
2011 – 14,4 Milliarden Euro

Die Einnahmen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen: Es wurden also nicht weniger Tabakzigaretten verkauft – trotz ansteigender Steuer!
Auch ein Hinweis auf selbstgedrehte Zigaretten (Feinschnitttabak ist hier nämlich nicht berücksichtigt) oder auf gestiegenen Schmuggel von Zigaretten kann ich hier leider nicht gelten lassen: Auch diese Hintertüren waren in den letzten Jahren da und noch nie war ein derartiger Rückgang im Verkauf zu beobachten.

Letztendlich könnte man jetzt sagen: “Aber jetzt ist eine Preisgrenze erreicht worden, die die Raucher dazu bewegt aufzuhören!”. Ähm…. Nein – Wenn man sich die Preise für Zigaretten z.B. in England anschaut, dann kann es das auch irgendwie nicht sein. Dort kostet eine Schachtel Tabakzigaretten nämlich zwischen 9 und 10 Euro (Ja! Richtig gelesen: 10 EURO!) und die Menschen rauchen in England weiter und auch dort ist kein derart brachialer Einbruch zu verzeichnen.

Lösung
Wenn man sich jedoch überlegt, dass die EZigarette Ende 2011 in den öffentlichen Fokus gerückt war und viele Raucher auf die unschädlichere EZigarette “gewechselt” haben, wird das ganze irgendwie klarer:

Jahr – Tabaksteuereinnahmen
2009 – 13,4 Milliarden Euro
2010 – 13,5 Milliarden Euro
2011 – 14,4 Milliarden Euro
2011 – Ende des Jahres wird die EZigarette der breiten Öffentlichkeit bekannt.
2012 – 14,1 Millarden Euro

Mir ist natürlich klar, dass sich nicht die gesamten 6 % auf einen Wechsel von Rauchern zur EZigarette zurückführen lassen – Aber die EZigarette wird ihr übriges zu der Zahl beigetragen haben.

Ein ähnliches Bild ist übrigens auch in den USA zu beobachten: Im ersten Quartal 2013 wurden dort knapp 5 Prozent weniger Zigaretten verkauft.[4] Und in den USA wurde in einem Analystenbericht ganz klar die EZigarette als “Verursacher” identifiziert. Prof. Dr. Michael Siegel von der “Boston University School of Public Health” meint dazu:

“Der Leser sollte beachten, dass ein 4,5%iger Rückgang des Zigarettenkonsums eine erhebliche Leistung für die öffentliche Gesundheit ist.”

und wundert sich, dass die Amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) zusammen mit vielen “Gesundheitsorganisationen” immer noch gegen die EZigarette ins Feld zieht und diese bekämpft.

Hier in Europa sieht das ganze nicht viel anders aus: Der erste Vorschlag für die neue Tabakrichtlinie der EU würde die EZigarette derart kastrieren, dass sie Wirkungslos ist: Die Begrenzung auf einen Nikotingehalt von 4mg pro ml wäre quasi ein Verbot der EZigarette.

Die EU-Kommission will durch die neue Tabakrichtlinie den Tabakkonsum in den nächsten Jahren um ZWEI Prozent senken.

Sehr geehrte EU-Kommission,
in Deutschland ging 2012 der Tabakzigarettenverkauf um knapp sechs Prozent zurück!
Hier ist Anfang 2012 irgendetwas passiert, was diesen “Erdrutschartigen Rückgang” begründet… Schauen Sie bitte genau hin, woran das liegen könnte! Immerhin wurde Ende 2011 bzw. Anfang 2012 die EZigarette hier in Deutschland durch die Medien bekannt gemacht und viele starke Raucher sind von der Tabakzigarette auf die wesentlich unschädlichere EZigarette umgestiegen.

Schauen Sie bitte in die veröffentlichten Studien. So hat kam zum Beispiel eine Forschergruppe um T.R. McAuley zu dem Schluss:

„Bei allen gemessenen Nebenprodukten, verursachen E-Zigaretten im Vergleich zur Tabakzigarette sehr kleine Belastungen. Diese Studie zeigt, dass von den hier analysierten Verbindungen der E-Zigarette keine erkennbare Gefahr für die menschliche Gesundheit ausgeht.“ [5]

Ich bin zumindest gespannt, was uns demnächst aus Brüssel erwartet.

Mit interessierten Grüssen

Rursus

[1] http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/hohe-tabaksteuer-absatz-von-zigaretten-bricht-ein-a-878864.html
[2] http://www.sueddeutsche.de/politik/tabaksteuer-geld-das-sich-in-rauch-aufloest-1.1015948
[3] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/OeffentlicheFinanzenSteuern/Steuern/Steuerhaushalt/Tabellen/KassenmaessigeSteuereinnahmen.html
[4] http://tobaccoanalysis.blogspot.de/2013/03/ironically-fda-seen-as-main-obstacle-to.html
[5] http://informahealthcare.com/doi/abs/10.3109/08958378.2012.724728

Quelle: Rursus-Blog